Die Neujahrs-Entschuldigungskarte 2017

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr, der Innsbrucker Innenstadtverein belebte den Brauch mit einer Entschuldigungskarte des Künstlers Franz Mölk wieder, legt der Verein zum zweiten Mal eine Neujahrs-Entschuldigungskarte auf.

Innenstadtverein zeigt soziales Engagement

Zu Gunsten von Licht ins Dunkel und der Tiroler Hospiz Gemeinschaft legt der Verein heuer zum zweiten Mal eine Neujahrs-Entschuldigungskarte auf. Gestaltet hat sie der in Natters lebende Künstler Anton Christian. In der Steindruckerei Stecher und Stecher sind Lithographien in 4 Farben in Handarbeit gefertigt worden.

Die auf 300 Exemplare limitierte, nummerierte und vom Künstler signierte Auflage macht die Karte zum Sammlerstück – gleichzeitig dient der Ertrag aber wieder einem klaren Zweck. Der Ertrag aus dem Verkauf kommt zur Gänze der Aktion „Licht ins Dunkel“ und der „Tiroler Hospiz Gemeinschaft“ zu Gute.

Neujahrs-Entschuldigungskarte 2017 von Anton Christian

©Innenstadtverein

Jede Karte kostet 140,- Euro.
Zu beziehen ist die Entschuldigungskarte u.a. bei der Innsbruck Information,
Burggraben 3 Tel.: 0043 (0)512 598500


Der Original-Entwurf von Anton Christian ist im Foyer des ORF Tirol in Innsbruck zu sehen und wird im Rahmen der Aktion Licht ins Dunkel versteigert.

Zur Geschichte der Neujahrs-Entschuldigungskarte in Innsbruck

Mit einer Neujahrskarte haben sich reiche Innsbrucker einst von „lästigen“ Neujahrswünschen ihrer Nachbarn freikaufen können. Nun gibt es zum zweiten Mal seit fast 80 Jahren wieder eine Entschuldigungskarte – auch dieses Mal für den guten Zweck.
Im Jahr 1820 wurde in Innsbruck die erste Tiroler Neujahrs-Entschuldigungskarte aufgelegt. Damals reagierte die Bevölkerung begeistert. Denn der Kauf einer Karte ersetzte den von vielen als unangenehm empfundenen Neujahrsbesuch ärmerer Bevölkerungsschichten, der die vermögenden Innsbrucker verpflichtete, ein Almosen zu geben, erklärte Roland Sila, Kustos in der Bibliothek des Landesmuseums, den Zweck.

Freikauf von Bettelei

Die Entschuldigungskarte wurde ins Fenster gestellt. So konnte jeder sehen, dass der Hausbesitzer schon gespendet hatte.

Verkaufserlös für soziale Projekte in Innsbruck

Der Erlös aus dem Verkauf der Karten wiederum floss in soziale Projekte der Stadt – und so konnten bereits im ersten Jahr über 600 Karten verkauft werden. In den folgenden Jahren waren es dann jährlich über 2.000 Karten, die einen Abnehmer fanden. Die Käufer wiederum wurden in der Zeitung publiziert.

Erst kleinformatig, dann größer

Anfangs schmückten meist religiöse Motive die relativ kleinformatigen Karten, gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden aus den Neujahrs-Entschuldigungskarten großformatige, dekorative und repräsentative Blätter. Abgebildet wurden beispielsweise Stadtpläne, historische Gebäude oder Herrscherporträts.

Der Brauch setzte sich bald in ganz Tirol durch. Sehr rasch folgten andere Städte Tirols. Es sind über 60 Orte bekannt, die eigene Karten zum Verkauf anboten. In Innsbruck legten vor der Eingemeindung in die Stadt Wilten, Amras, Pradl, Mariahilf, Mühlau und Hötting eigene Karten auf. Die Neujahrs-Entschuldigungskarte wurde früher auch Neujahrs-Gratulationsbefreiungskarte, Neujahrs-Gratulationsenthebungskarte oder Neujahrs-Glückwunschenthebungskarte genannt.

Ab dem späten 19. Jahrhundert diente der Erlös aus dem Verkauf der Karten auch anderen Zwecken - in Pradl etwa ging der Ertrag an den Kirchenbauverein. Im Jahr 1936 wurde durch den Kirchenbau-Verein Hötting die bislang letzte bekannte Neujahrsentschuldigungskarte in Innsbruck aufgelegt.